Du bewirbst dich um ein Praktikum und hast noch kaum Berufserfahrung? Das ist bei einem Studierenden-Praktikum vollkommen normal. Personaler erwarten keinen Lebenslauf mit fünf Jahren Berufspraxis. Sie wollen wissen, ob du motiviert bist, was dein Studium dir schon beigebracht hat und wie du erste Erfahrungen genutzt hast. Zeig genau das, kurz und auf einer Seite.
So sieht ein überzeugender Lebenslauf als Praktikantin aus
Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Nora Lindemann ist eine fiktive Persona, kein echter Mensch. Sie zeigt, wie eine Studentin im 4. Semester einen Lebenslauf für ein Pflicht- oder freiwilliges Praktikum aufbaut, und warum dieser Aufbau bei Personalverantwortlichen ankommt.
Fiktiver Muster-Lebenslauf: Praktikantin Nora Lindemann, Studentin der Wirtschaftswissenschaften, erstellt mit LebenslaufHeld.
Warum dieser Lebenslauf überzeugt
Studium mit Schwerpunkt und Kursen statt blankem Studiengang (Branchenkonvention) Bei einem Studierenden-Praktikum ist das laufende Studium das wichtigste Qualifikationssignal, nicht die Berufserfahrung. Nora nennt deshalb nicht nur den Studiengang, sondern auch Schwerpunkte und die für die Stelle relevanten Kurse. Personaler sehen auf einen Blick, ob die fachliche Richtung passt. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, besonders im frühen Stadium der Ausbildung alle relevanten Stationen, Kurse und Qualifikationen anzugeben. Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Den perfekten Lebenslauf erstellen
Erste Erfahrungen mit konkreten Aufgaben belegen, nicht nur aufzählen (BA-Empfehlung) Noras Hilfskraft-Stelle und ihr Ferienjob stehen nicht als leere Zeiträume im Lebenslauf, sondern mit drei bis vier konkreten Aufgaben. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt ausdrücklich, auch Nebenjobs, Praktika und Hilfstätigkeiten mit konkreten Beschreibungen anzugeben, wenn eigentliche Berufserfahrung noch fehlt. Das zeigt dem zukünftigen Arbeitgeber, ob die bisherigen Aufgaben zur Stelle passen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Den perfekten Lebenslauf erstellen
Ehrenamt ist kein Füller, sondern Kompetenzbeleg (Forschungsbeleg) Noras Engagement bei Amnesty International zeigt mehr als Freizeit: Sie trägt Verantwortung, organisiert eigenständig und hält Termine ein. Ein Feldexperiment am deutschen Arbeitsmarkt zeigt, dass Arbeitgeber bei Berufsanfängerinnen nicht-kognitive Signale wie Engagement, Verlässlichkeit und Eigeninitiative aktiv in die Einladungsentscheidung einbeziehen. Beim Praktikum ist das Ehrenamt oft das stärkste verfügbare Signal. Quelle: Protsch und Solga (2015), European Sociological Review
Foto ist freiwillig, bei Praktikumsbewerbungen in Deutschland aber üblich (AGG) Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz macht das Bewerbungsfoto freiwillig. Arbeitgeber dürfen es nicht als Bedingung fordern. In der Praxis ist ein Foto bei Praktikumsbewerbungen an deutschen Unternehmen weiterhin verbreitet und baut Sympathie auf. Nora legt ein aktuelles, professionelles Porträtfoto bei, kein Urlaubsfoto. Quelle: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) §1
Sprachen und IT mit Niveau und Herkunft, nicht als Stichwortliste (Branchenkonvention) Nora nennt für jede Sprache das GER-Niveau und für IT-Tools den Kontext, aus dem die Kenntnis stammt: SPSS aus dem Statistik-Kurs, R aus dem Einführungskurs. Das macht die Selbsteinschätzung überprüfbar. Ein vages Grundkenntnisse Excel ohne Kontext sagt Personalern wenig, weil sie nicht wissen, ob damit eine Schulstunde oder zwei Jahre Arbeit gemeint sind. Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Den perfekten Lebenslauf erstellen
Praktikum ist kein reglementierter Beruf, es gibt keine gesetzlichen Pflicht-Nachweise im Lebenslauf. Die Differenzierer sind Konvention: Studium mit Schwerpunkt und Kursen statt nur Studiengang, erste Stationen mit konkreten Aufgaben statt leeren Titeln, Kenntnisse mit Niveau und Herkunft und Ehrenamt mit Verantwortung statt Stichworte.
Typische Aufgaben
Mitwirkung in Tagesabläufen der Abteilung
Recherche- und Zuarbeit für Projekte
Dokumentation und Protokollierung
Kommunikation mit Kollegen und Kunden
Eigenes kleines Teilprojekt am Ende des Praktikums
Wichtige Hard Skills
MS Office (Word, Excel, PowerPoint)
Google Workspace
Englisch (Schulniveau B1/B2)
Recherchefähigkeiten
Erste Programmierkenntnisse (optional)
Gefragte Soft Skills
Lernbereitschaft
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
Offenheit für Feedback
Teamfähigkeit aus Schule und Vereinen
Höfliche Kommunikation
Ausbildung & Qualifikation
Schüler/in (Klasse 8–13) oder Studierende/r (Bachelor / Master) im Pflicht- oder freiwilligen Praktikum.
Beispielformulierungen für den Lebenslauf
Schülerpraktikum (1 Woche) bei Stadtverwaltung Mannheim, Einblick in Bürgerservice und Aktenführung
Tutoring in Mathematik für drei Mitschüler über zwei Schuljahre
Klassensprecher 9. Klasse, Organisation Schulfest mit 200 Gästen
Häufige Fehler
Selbstabwertende Formulierungen wie „leider noch keine Erfahrung"
Zu kurzer Lebenslauf, auch Schule, Hobbys und Ehrenamt zählen
Allgemeine Floskeln wie „motiviert" ohne Beispiel
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Lebenslauf für ein Praktikum sein?
Eine Seite reicht völlig. Schüler kommen oft mit einer halben Seite aus, das ist okay, solange alles Wichtige drin ist.
Brauche ich ein Foto im Praktikums-Lebenslauf?
Optional. Ein freundliches, professionelles Foto wirkt aber sympathisch und macht den Lebenslauf persönlicher.
Was schreibe ich, wenn ich noch nie gearbeitet habe?
Schule, Hobbys, Vereine, Ehrenämter, Babysitting, Nachhilfe, Sportleistungen, alles zählt. Wichtig ist, was du daraus gelernt hast.
Soll ich Schulnoten angeben?
Bei guten Noten (besser als 2,5) ja, am besten Mathe, Deutsch, Englisch und ein fachrelevantes Fach. Sonst weglassen.