Ausführlicher Lebenslauf in Aufsatzform: Wer ihn verlangt und wie du ihn schreibst

In der Ausschreibung steht „nicht tabellarisch" oder „ausführlicher Lebenslauf", und du weißt nicht, was jetzt gemeint ist. Gemeint ist ein Lebenslauf in ganzen Sätzen: derselbe Werdegang, nur ausgeschrieben statt in zwei Spalten. Er ersetzt den tabellarischen Lebenslauf ausschließlich dort, wo er ausdrücklich verlangt wird.

Dieser Artikel zeigt, wer ihn heute noch fordert, wie lang er sein darf, wie du ihn Abschnitt für Abschnitt aufbaust und woran die meisten Entwürfe scheitern. Die Vorgaben stammen aus den Unterlagen der Stellen selbst, nicht aus Bewerbungsfolklore.

Kurz-Antwort: Der ausführliche Lebenslauf in fünf Punkten

Was ist ein nicht tabellarischer Lebenslauf?

Ein nicht tabellarischer Lebenslauf ist ein Lebenslauf in ganzen Sätzen: derselbe Werdegang wie in der Tabelle, aber als zusammenhängender Text in der Ich-Form. Übliche Bezeichnungen dafür sind ausführlicher Lebenslauf, ausformulierter Lebenslauf und Lebenslauf in Aufsatzform.

Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern in der Begründung. Die Tabelle nennt Zeitraum, Arbeitgeber und Position. Der Fließtext nennt zusätzlich, warum eine Entscheidung so fiel und was aus einer Station geworden ist.

Ein ausführlicher Lebenslauf ersetzt weder Anschreiben noch Motivationsschreiben. Das Anschreiben bezieht sich auf die konkrete Stelle, der ausführliche Lebenslauf auf den Weg dorthin. Verlangt eine Stelle beides, schickst du beides.

Tabellarisch oder ausführlich: der direkte Vergleich

Alles zum Regelfall steht im Beitrag Tabellarischer Lebenslauf: Aufbau, Vorlage und Muster.

Wer verlangt heute noch einen ausführlichen Lebenslauf?

Der ausführliche Lebenslauf ist die Ausnahme. Verbindlich ist immer der Wortlaut der Ausschreibung oder der Bewerber-Checkliste, nicht die allgemeine Bewerbungsregel.

Was in dieser Liste bewusst fehlt, ist eine pauschale Regel für „den öffentlichen Dienst" oder „die Polizei". Die Anforderung steht pro Stelle in der Ausschreibung oder in der Checkliste. Wenn dort nichts zur Form steht, ist der tabellarische Lebenslauf gemeint.

Der Umfang richtet sich nach der Bewerbung: Ein Stipendium, eine Behördenlaufbahn und ein Berufswechsel können unterschiedliche Schwerpunkte verlangen. Für den Wechsel aus der Bundeswehr in einen zivilen Beruf findest du einen eigenen Ratgeber.

Muss der ausführliche Lebenslauf handschriftlich sein?

Nein, es sei denn, die Ausschreibung verlangt es ausdrücklich. Die Checkliste der Bundespolizei fordert die ausführliche Form in ganzen Sätzen, sagt aber nichts über Handschrift. Sie verlangt allerdings ein aufgeklebtes Bewerbungsfoto oder Passbild, die Unterlagen gehen dort also als Ausdruck raus.¹

Der handgeschriebene Lebenslauf stammt aus einer Zeit, in der Handschriften psychologisch ausgewertet wurden. Diese Grundlage hält der Prüfung nicht stand. Eine Meta-Analyse von 17 Studien mit 63 Graphologen, 51 Nicht-Graphologen und 1.223 Schriftproben fand, dass geschulte Graphologen die spätere Leistung nicht besser vorhersagten als Beurteiler ohne graphologische Ausbildung. Bei inhaltlich neutralen Texten lag ihre Vorhersagekraft nahe null.⁵

Steht „handschriftlich" tatsächlich in der Ausschreibung: erst am Rechner tippen und die Rechtschreibung prüfen, dann sauber von Hand abschreiben. Das spart Durchstreichungen und hält den Text lesbar.

Aufbau: So gliederst du den ausführlichen Lebenslauf

Eine chronologische Erzählung kann deinen Weg von der Schule bis heute nachvollziehbar machen. Die folgenden sechs Blöcke sind ein redaktioneller Gliederungsvorschlag. Konkrete Vorgaben der empfangenden Stelle gehen vor.

Ein Beispielsatz aus Block 3, mit Platzhalternamen: „Von März 2023 bis Juli 2026 war ich bei der Mustermann GmbH in München als Marketing Manager tätig. Dort habe ich zum ersten Mal ein Team geführt, und diese Aufgabe hat meinen Wunsch geprägt, dauerhaft Verantwortung für Menschen zu übernehmen."

Wie lang darf der ausführliche Lebenslauf sein?

Zwei bis vier Seiten, wenn die Stelle keine eigene Vorgabe macht. Die Hanns-Seidel-Stiftung schreibt für ihre Studien- und Promotionsförderung ausdrücklich: „Länge: zwei bis vier Seiten. Seitenränder 2,5 cm, Zeilenabstand 1,5."²

Wenn eine eigene Vorgabe existiert, gilt sie. Steht in der Ausschreibung eine Seitenzahl, ein Rand oder ein Zeilenabstand, hältst du dich exakt daran.

Zum Vergleich: Für den tabellarischen Lebenslauf nennt die Bundesagentur für Arbeit „eine bis maximal zwei A4-Seiten".³ Der ausführliche Lebenslauf darf also länger sein, aber nicht ausufern.

Typische Fehler im ausführlichen Lebenslauf

Brauchst du zusätzlich einen tabellarischen Lebenslauf?

Reiche beide Fassungen ein, wenn die Ausschreibung das verlangt. Wird ausdrücklich nur ein ausführlicher Lebenslauf gefordert, musst du nicht automatisch eine zweite, tabellarische Fassung beilegen. Richte dich nach der Unterlagenliste der jeweiligen Stelle.

Im Editor von LebenslaufHeld füllst du eine fertige tabellarische Vorlage aus und lädst sie als PDF. Das Erstellen ist kostenlos, ein PDF ohne Wasserzeichen kostet ein Credit. Credits gibt es ab 2,99 Euro, kein Abo und keine monatlichen Kosten.

Quellen

Häufige Fragen

Was bedeutet „nicht tabellarischer Lebenslauf"?

Ein Lebenslauf in ganzen Sätzen statt einer stichpunktartigen Darstellung. Übliche Namen sind ausführlicher oder ausformulierter Lebenslauf und Lebenslauf in Aufsatzform. Ein konkretes Anwendungsbeispiel ist die Bewerber-Checkliste der Bundespolizei.

Wie lang ist ein ausführlicher Lebenslauf?

Die Vorgabe der empfangenden Stelle entscheidet. Die Hanns-Seidel-Stiftung nennt für ihre Bewerbung zwei bis vier Seiten sowie eigene Formatvorgaben. Daraus folgt keine allgemeine Seitenpflicht für andere Bewerbungen. Ohne Vorgabe halte den Text so knapp, dass dein relevanter Werdegang verständlich bleibt.

Muss ein ausführlicher Lebenslauf handschriftlich sein?

Nur wenn die Ausschreibung es ausdrücklich verlangt. Die Checkliste der Bundespolizei fordert die ausführliche Form in ganzen Sätzen, sagt aber nichts über Handschrift.

Ist der ausführliche Lebenslauf dasselbe wie ein Motivationsschreiben?

Nein. Das Motivationsschreiben begründet die Bewerbung auf eine konkrete Stelle. Der ausführliche Lebenslauf erzählt den gesamten Werdegang und ordnet die Entscheidungen darin ein.

Brauche ich zusätzlich einen tabellarischen Lebenslauf?

Nur wenn die empfangende Stelle beide Fassungen verlangt. Prüfe die Unterlagenliste: Ein ausführlicher Lebenslauf kann den tabellarischen ersetzen oder ergänzen. Bei Unklarheit hilft eine kurze Nachfrage.

In welcher Person schreibe ich den ausführlichen Lebenslauf?

In der Ich-Form, als zusammenhängender Text. Der ausführliche Lebenslauf soll gelesen werden wie ein Bericht über den eigenen Weg, nicht wie eine vorgelesene Tabelle.

Verlangt die Bundespolizei einen ausführlichen Lebenslauf?

Ja. Die verlinkte Checkliste für Bewerberinnen und Bewerber fordert einen ausformulierten Lebenslauf und ein aufgeklebtes Bewerbungsfoto oder Passbild. Prüfe für deine Bewerbung zusätzlich die aktuell zugesandten Unterlagen.

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