Weiterbildung mit Bildungsgutschein: Wer bekommt ihn und was zahlt er?

Ein Bildungsgutschein ist die schriftliche Zusage, dass die Agentur für Arbeit die Kosten einer beruflichen Weiterbildung übernimmt. Bekommen kann ihn, wer arbeitslos ist oder wem Arbeitslosigkeit droht, wenn drei Dinge gleichzeitig stimmen: Die Weiterbildung ist notwendig, die Agentur für Arbeit hat vorher beraten, und Maßnahme wie Träger sind zugelassen.¹

Die allgemeine Förderung nach § 81 Absatz 1 SGB III ist eine Ermessensleistung. Für den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses oder Hauptschulabschlusses gibt es unter den Voraussetzungen der Absätze 2 und 3 jedoch Förderansprüche.¹ Dieser Artikel erklärt, wer den Gutschein heute ausstellt, was die Förderung deckt, welches Geld die meisten Betroffenen nicht kennen und was die Forschung über den Nutzen sagt.

Stand: August 2026. Zuletzt geprüft am 26. August 2026: § 81, § 87a, § 138, § 144 und § 176 SGB III, § 15, § 15a und § 16 SGB II sowie die Seite der Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsgutschein. Das Dreizehnte SGB-II-Änderungsgesetz (Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 107) ändert an Zuständigkeit, Weiterbildungsgeld und Prämien nichts.

Kurz-Antwort: Der Bildungsgutschein in fünf Punkten

Was ist ein Bildungsgutschein?

Ein Bildungsgutschein ist die schriftliche Zusage der Agentur für Arbeit, die Kosten einer beruflichen Weiterbildung zu übernehmen. Er steht in § 81 Absatz 4 SGB III, nennt ein Bildungsziel und kann zeitlich, regional und inhaltlich beschränkt werden.¹

Der Gutschein ist weder Geld noch Anmeldung. Du suchst dir damit selbst einen passenden Kurs und gibst den Gutschein beim Anbieter ab. Der Anbieter rechnet direkt mit der Agentur für Arbeit ab.³

Nicht jeder Kurs zählt. Träger brauchen die Zulassung durch eine fachkundige Stelle, um Maßnahmen der Arbeitsförderung durchzuführen.⁵ Im Alltag heißt diese Zulassung AZAV-Zulassung.

Stellt das Jobcenter den Bildungsgutschein aus?

Nein. Seit dem 1. Januar 2025 stellt nicht mehr das Jobcenter den Bildungsgutschein aus, sondern die Agentur für Arbeit, auch für Menschen im Grundsicherungsbezug. Die Vorschrift, die dem Jobcenter diese Aufgabe zuwies, § 16 Absatz 1 Satz 2 Nummer 4 SGB II, wurde durch das Haushaltsfinanzierungsgesetz 2024 aufgehoben. Im Gesetzestext steht an dieser Stelle heute nur noch „(weggefallen)".²

Wenn du auf einer Ratgeberseite liest, das Jobcenter stelle den Bildungsgutschein aus, ist der Text älter als diese Rechtsänderung.

Das Jobcenter verschwindet damit nicht aus dem Verfahren. Nach dem Fachportal von Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesagentur für Arbeit erkennen die Jobcenter weiterhin den Weiterbildungsbedarf, klären Hemmnisse und vorrangige Leistungen und behalten die Integrationsverantwortung. Die Agenturen übernehmen die Weiterbildungsberatung, die formale Abwicklung und die Finanzierung.⁶

Praktisch heißt das: Wer Grundsicherungsgeld bezieht, früher Bürgergeld, spricht das Thema weiter bei der Ansprechperson im Jobcenter an. Beratungstermin und Entscheidung über den Gutschein liegen aber bei der Agentur für Arbeit.

Wer bekommt einen Bildungsgutschein? Die drei Voraussetzungen

Für die allgemeine Förderung nach § 81 Absatz 1 SGB III gelten die folgenden drei Voraussetzungen. Sie ist eine Ermessensleistung. Davon sind die Förderansprüche unter den Voraussetzungen der Absätze 2 und 3 zu unterscheiden.¹

Bei Arbeitslosen ist die Hürde „notwendig" etwas niedriger. Die Notwendigkeit wird auch anerkannt, wenn der Erwerb erweiterter beruflicher Kompetenzen die individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessert und die Weiterbildung nach Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes zweckmäßig ist.¹

Eine belastbare öffentliche Gesamtquote für bewilligte oder abgelehnte Bildungsgutscheine liegt uns nicht vor. Daraus lässt sich deine individuelle Bewilligungschance nicht ableiten.

Was der Bildungsgutschein bezahlt

Wird der Gutschein bewilligt, übernimmt die Agentur für Arbeit die Weiterbildungskosten. Was dazugehört, listet die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer Seite zum Bildungsgutschein auf.³

Maßgeblich ist das Bildungsziel, nicht allein die Kursdauer: Prämien und Weiterbildungsgeld knüpfen an eine geförderte Weiterbildung zu einem Berufsabschluss mit gesetzlicher Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren an.⁴ Ein gewöhnlicher kurzer Anpassungskurs erfüllt das nicht automatisch.

Das Arbeitslosengeld läuft während der geförderten Weiterbildung weiter. Der Anspruch besteht auch dann, wenn die Voraussetzungen allein wegen der Weiterbildung nicht mehr erfüllt sind.⁷

Auch wer schon arbeitet, kann gefördert werden, wenn dadurch drohende Arbeitslosigkeit abgewendet wird.¹ Erwerbsfähige Leistungsberechtigte im SGB II erhalten das Weiterbildungsgeld „auch im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses".⁴

Über 80 Prozent kennen Prämie und Weiterbildungsgeld nicht

In einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld über 80 Prozent der Befragten nicht bekannt. Befragt wurden im Herbst 2024 insgesamt 468 Personen ohne Berufsabschluss im Alter von 25 bis 60 Jahren.⁸

Die Möglichkeit der Kostenübernahme durch Agentur oder Jobcenter war bekannter, aber ebenfalls nicht selbstverständlich: Knapp 50 Prozent der Bürgergeldbeziehenden kannten sie, bei den übrigen Befragten waren es rund 67 Prozent.⁸

Das ist eine einzelne Erhebung mit kleiner Stichprobe, kein repliziertes Ergebnis. Für das Beratungsgespräch lohnt es sich trotzdem, Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld ausdrücklich anzusprechen.

Gleichzeitig gehen die Eintritte in geförderte Weiterbildung zurück. Im Jahr 2024 gab es im SGB II knapp 100.000 Eintritte, 2025 waren es rund 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2009 lag der Höchststand bei über 230.000 Eintritten.⁹

Bringt eine geförderte Weiterbildung wirklich etwas?

Die Studien unterscheiden zwischen kurzen Maßnahmen und längeren, abschlussorientierten Weiterbildungen. Ihre Ergebnisse beziehen sich auf bestimmte Gruppen, Maßnahmen und Beobachtungszeiträume; daraus folgt keine Erfolgsgarantie für jeden Kurs.

Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift The Review of Economic Studies vergleicht beide Typen. Kurze Maßnahmen verkürzen die verbleibende Zeit in Arbeitslosigkeit und erhöhen die Beschäftigungsstabilität moderat. Lange Maßnahmen verlängern die Arbeitslosigkeit zunächst, danach finden Teilnehmende deutlich schneller Arbeit, bleiben stabiler beschäftigt und verdienen mehr. Die anfängliche Verlängerung heißt in der Forschung Lock-in-Effekt.¹⁰

Für Umschulungen nennt das IAB-Discussion Paper 20/2014 eine konkrete Zahl: Die Beschäftigungswahrscheinlichkeit von Frauen steigt um mehr als 20 Prozentpunkte, bei Männern fällt der Effekt etwas schwächer aus.¹¹

Den Gutschein zu bekommen reicht nicht. Was zählt, ist das Einlösen und der Abschluss. Eine Studie in der ILR Review misst den Erhalt eines Bildungsgutscheins: Vier bis sieben Jahre nach der Ausgabe zeigten sich nur kleine positive Beschäftigungseffekte und keine Einkommensgewinne. Deutlich stärker fielen die Effekte für Geringqualifizierte aus, die den Gutschein tatsächlich einlösten, sowie für Gering- und Mittelqualifizierte, die einen Abschlusskurs wählten.¹²

In der Altenpflege reicht die Messung über 11,5 Jahre. Kurze Weiterbildungen und lange Umschulungen erhöhen dort beide die langfristige Beschäftigung der Teilnehmenden.¹³

Die Studien nutzen unterschiedliche statistische Verfahren und historische Verwaltungsdaten. Sie sind keine pauschale Prognose für einen heutigen Kurs. Prüfe deshalb zusätzlich Bildungsziel, Abschluss, Nachfrage in deinem Zielberuf und die Qualität des konkreten Angebots.

Bildungsgutschein beantragen: der Weg in fünf Schritten

Zugelassene Anbieter finden und die AZAV-Zulassung prüfen

Die folgende Liste ist keine Empfehlung und keine Rangfolge. Sie nennt Anbieter, die nach eigenen Angaben AZAV-zugelassen sind und Weiterbildungen mit Bildungsgutschein anbieten, jeweils mit Themenfeld und Format.

Nutze mein NOW und KURSNET zur Suche.¹⁴ ¹⁵ Die Datenbanken enthalten auch Angebote außerhalb der Förderung mit Bildungsgutschein. Lass dir die aktuelle Träger- und Maßnahmezulassung zeigen und die Förderfähigkeit im Beratungsgespräch bestätigen.²⁰

Alle Angaben zur AZAV-Zulassung in dieser Liste stammen von den Anbietern selbst. Wir haben sie nicht in einem amtlichen Register gegengeprüft, und wir bewerten die Qualität der Kurse nicht.

„(Anzeige)" bedeutet: Meldest du dich über diesen Link an, erhält LebenslaufHeld eine Provision vom Anbieter. Am Preis und an der Anbieterliste ändert das nichts.

Zählt eine Weiterbildung als Eigenbemühung?

Das Gesetz nennt die Teilnahme an einer Weiterbildung nicht als Eigenbemühung. Ob du während der Maßnahme weiter Bewerbungen nachweisen musst, hängt an deinem Kooperationsplan oder an einem Bescheid nach § 15a SGB II.

Drei Bausteine erklären, warum die Frage offen ist. Erstens gilt, wer an einer Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnimmt, rechtlich als nicht arbeitslos.¹⁶ Zweitens knüpft das SGB III die Eigenbemühungen an den Status „arbeitslos" und zählt dazu die Verpflichtungen aus der Eingliederungsvereinbarung, die Mitwirkung bei der Vermittlung durch Dritte und die Nutzung der Selbstinformationseinrichtungen der Agentur, nicht die Weiterbildung.¹⁷ Drittens legt der Kooperationsplan im SGB II fest, welche Eigenbemühungen du mindestens „zu unternehmen und nachzuweisen" hast.¹⁸ Seit dem 1. Juli 2026 kann das Jobcenter solche Vorgaben im SGB-II-Verfahren auch per schriftlichem Bescheid machen: wie oft, in welcher Form, bis wann. Etwa dann, wenn kein Kooperationsplan zustande kommt.¹⁹

Eine Weisung der Bundesagentur für Arbeit, die diesen Fall eindeutig regelt, ist öffentlich nicht auffindbar. Die im Netz verbreitete Aussage „während einer Weiterbildung musst du dich nicht bewerben" ist damit nicht belegt.

Der belastbare Rat lautet deshalb: Lass vor Beginn der Maßnahme schriftlich im Kooperationsplan festhalten, ob und in welchem Umfang du weiter Bewerbungen nachweisen musst. Was dort steht, gilt. Dasselbe gilt für einen Bescheid nach § 15a. Was nur mündlich besprochen wurde, lässt sich später schwer belegen.

Was Eigenbemühungen rechtlich bedeuten, wie der Nachweis aussieht und was bei fehlendem Nachweis droht, steht im Ratgeber Eigenbemühungen nachweisen. Bewerbungen vor, während und nach der Weiterbildung hältst du im kostenlosen Bewerbungs-Tracker fest und erzeugst daraus ein fertiges Nachweis-PDF.

Nach der Weiterbildung: Lebenslauf und Anschreiben aktualisieren

Eine abgeschlossene Weiterbildung gehört mit Abschluss, Träger und Zeitraum in den Lebenslauf. Worauf es bei Bewerbungen über die Agentur für Arbeit ankommt, zeigt die Seite Lebenslauf fürs Arbeitsamt. Eine kompakte Begriffsübersicht steht im Glossar unter Weiterbildung.

Im Lebenslauf-Editor von LebenslaufHeld trägst du die neue Qualifikation ein und lädst den Lebenslauf als PDF. Das Erstellen ist kostenlos, ein PDF ohne Wasserzeichen kostet einen Credit. Credits gibt es ab 2,99 Euro, kein Abo.

Quellen

Hinweis zur Rechtslage

Hinweis (Stand: August 2026): Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind immer dein Bescheid beziehungsweise dein Kooperationsplan und die Auskunft deiner Agentur für Arbeit oder deines Jobcenters. Die Rechtslage kann sich ändern, alle Angaben sind mit den oben verlinkten Quellen belegt.

Häufige Fragen

Stellt das Jobcenter noch Bildungsgutscheine aus?

Nein. § 16 Absatz 1 Satz 2 Nummer 4 SGB II wurde zum 1. Januar 2025 aufgehoben, im Gesetzestext steht dort heute „weggefallen". Beratung, Entscheidung und Finanzierung der geförderten Weiterbildung liegen seitdem bei der Agentur für Arbeit, auch für Menschen im Grundsicherungsbezug. Das Jobcenter erkennt weiterhin den Weiterbildungsbedarf und behält die Integrationsverantwortung.

Was tun, wenn der Bildungsgutschein abgelehnt wird?

Lass dir die Ablehnung schriftlich mit Begründung geben und beachte die Rechtsbehelfsbelehrung. Prüfe mit fachkundiger Unterstützung, ob die Voraussetzungen richtig bewertet wurden, das Ermessen korrekt ausgeübt wurde oder ein Förderanspruch nach § 81 Absatz 2 oder 3 SGB III besteht. Eine ausgebliebene Beratung allein garantiert keine erfolgreiche Anfechtung.

Geht ein Bildungsgutschein auch, wenn ich arbeite?

Ja, das ist im Gesetz vorgesehen. § 81 Absatz 1 SGB III nennt ausdrücklich das Abwenden drohender Arbeitslosigkeit als Förderzweck. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte im SGB II erhalten das Weiterbildungsgeld nach § 87a Absatz 3 SGB III „auch im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses".

Kostet mich die Weiterbildung etwas?

Die Bewilligung legt fest, welche Kosten übernommen werden. Dazu können Lehrgang, Lernmittel, Prüfungen, Fahrten, Kinderbetreuung und auswärtige Unterbringung gehören.³ Die allgemeine Förderung ist eine Ermessensleistung; für bestimmte nachträgliche Abschlüsse gibt es unter den Voraussetzungen des § 81 Absätze 2 und 3 SGB III Förderansprüche.¹

Muss ich während der Weiterbildung weiter Bewerbungen nachweisen?

Das Gesetz regelt den Fall nicht ausdrücklich. Teilnehmende an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nach § 16 Absatz 2 SGB III als nicht arbeitslos, gleichzeitig legt der Kooperationsplan nach § 15 SGB II fest, welche Eigenbemühungen mindestens zu unternehmen und nachzuweisen sind. Seit dem 1. Juli 2026 können solche Vorgaben auch ohne deine Zustimmung per Bescheid festgelegt werden (§ 15a SGB II). Lass vor Beginn der Maßnahme schriftlich festhalten, was für dich gilt. Mehr dazu im Ratgeber Eigenbemühungen nachweisen.

Was passiert, wenn ich die Weiterbildung abbreche?

Eine pauschale Antwort gibt es dazu in den geprüften Quellen nicht. Klar ist die Rechtslage beim Geld: Die Prämien von 1.000 und 1.500 Euro setzen nach § 87a SGB III eine bestandene Zwischen- oder Abschlussprüfung voraus, das Weiterbildungsgeld von 150 Euro pro Monat ist an die Teilnahme geknüpft. Welche weiteren Folgen ein Abbruch hat, hängt vom Grund und von deinem Bescheid ab. Sprich vorher mit deiner Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit.

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