Prüfe zuerst die Ausschreibung: Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass manche Unternehmen bei Online-Bewerbungen auf ein Anschreiben verzichten.¹ Aus den hier ausgewerteten Studien ergibt sich keine verlässliche Quote für alle deutschen Arbeitgeber.
Was sich sagen lässt: Wo ein Anschreiben verlangt wird, zählt seine Qualität. Ein generisches Textbaustein-Anschreiben kann schlechter sein als gar keines.
Die Bundesagentur für Arbeit ist in Deutschland die maßgeblichste Quelle für Bewerbungsstandards. Ihr Befund ist nüchtern: "Bei Online-Bewerbungen verzichten einige Unternehmen mittlerweile auf ein Anschreiben."¹ Die Empfehlung lautet, vorab zu prüfen, ob es gefordert wird.
Das bedeutet: Das Anschreiben ist nicht abgeschafft. Es ist für einen unbekannten Teil der Unternehmen optional. Für den anderen Teil bleibt es Bestandteil der vollständigen Bewerbung. Eine Pauschale in die eine oder andere Richtung ist nicht belegt.
Eine Umfrage der Königsteiner Gruppe (Mai 2023, n=1.026 Beschäftigte, alle hatten sich in den zwölf Monaten zuvor beworben) ergab: Rund ein Drittel der Befragten gab an, sich auf eine Stellenanzeige nicht zu bewerben, wenn ein Anschreiben verlangt wird.²
Das ist ein interessanter Befund, aber er misst die Absicht, nicht das tatsächliche Verhalten. Wer in einer Umfrage sagt "ich würde mich nicht bewerben", tut das im Moment der Frage möglicherweise trotzdem. Der Wert zeigt, dass Anschreiben-Pflicht bei Bewerbern auf echten Widerstand stößt, nicht dass Unternehmen sie deshalb abschaffen.
Die Befragung zeigt eine mögliche Hürde aus Sicht der Teilnehmenden. Sie belegt nicht, dass die Abschaffung des Anschreibens tatsächlich mehr oder bessere Bewerbungen verursacht.
Eine StepStone- und BPM-Studie (Bundesverband der Personalmanager, n=9.000 Personen aus verschiedenen Gruppen) beschreibt das Anschreiben als etwas, das in Zukunft aus Bewerbungsunterlagen verschwinden könnte.³ Das ist eine Zukunftsprognose, kein aktueller Befund.
Gleichzeitig zeigt eine StepStone-Österreich-Studie (n=860, Erhebung 2025): 63 Prozent der befragten Recruiter bemängeln fehlende Individualität in Bewerbungen; 68 Prozent empfinden viele Bewerbungen als weniger authentisch.⁴ Beide Zahlen kommen aus Österreich und sind Selbstauskunfts-Daten ohne Verhaltensbeobachtung. Aber sie zeigen die Richtung: Wer ein Anschreiben schreibt, muss es mit echten Inhalten füllen, sonst ist es sinnlos.
Eine Einheitslösung gibt es nicht. Drei typische Situationen:
Zum Aufbau eines starken Anschreibens, mit Einstiegssätzen, die funktionieren, und den fünf häufigsten Fehlern: Anschreiben Muster 2026.
Die Bundesagentur für Arbeit formuliert den Anspruch klar: Das Anschreiben soll "passgenau auf die Stelle zugeschnitten sein" und dem Arbeitgeber deutlich machen, warum du dich für genau diese Stelle bewirbst und welche Kompetenzen und Erfahrungen du dafür mitbringst.¹
Das schafft kein generisches Textbaustein-Anschreiben. Die Formulierungen, die Tausende gleichzeitig nutzen ("Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle…"), sagen dem Arbeitgeber nichts über dich. Sie füllen Platz.
Eine ökonometrische Preprint-Studie (arXiv 2509.25054, 2025) analysierte den Effekt eines KI-Schreibtools auf einer Online-Arbeitsmarktplattform: Die Korrelation zwischen textueller Anschreiben-Passgenauigkeit und der Rückruf-Quote sank um 51 Prozent, nachdem das Tool eingeführt wurde.⁵ Arbeitgeber wichen auf andere Signale aus, vor allem auf die Arbeitshistorie.
Dieser Befund ist ein Preprint und plattformspezifisch. Aber die Logik ist einfach: Wenn alle das gleiche Tool gleich bedienen, verliert das Anschreiben seinen Informationsgehalt. Die Antwort darauf ist nicht, kein Anschreiben zu schreiben, sondern ein persönlicheres. Mehr dazu: Darf ich meine Bewerbung von ChatGPT schreiben lassen?
Wenn das Anschreiben ausdrücklich optional ist, kannst du es weglassen. Nutze es, wenn du darin relevante zusätzliche Informationen vermitteln kannst, etwa zu Motivation oder Berufswechsel. Wie ein einzelner Arbeitgeber das gewichtet, lässt sich nicht garantieren.
Steht es in der Stellenausschreibung, ist es verlangt. Steht nichts, im Zweifel anlegen. Manche Online-Portale (Arbeitsagentur, Stepstone, LinkedIn) haben eigene Bewerbungsformulare, die ein separates Anschreiben gar nicht vorsehen.
Beginne mit drei Punkten: Warum diese Stelle, welche passende Erfahrung und warum dieses Unternehmen? In der Königsteiner-Befragung von 2023 erklärte rund ein Drittel der 1.026 Befragten, sich bei einer Anschreibenpflicht nicht bewerben zu wollen. Das ist eine Absicht und keine gemessene Abbruchquote.²
Nein. Das Anschreiben ist das kurze Begleitschreiben zur Bewerbungsmappe (maximal eine Seite, klassisches Briefformat). Ein Motivationsschreiben ist ausführlicher und wird nur verlangt, wenn das die Stellenausschreibung explizit fordert. Beide in einer Bewerbung ist unüblich.
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