Familienstand im Lebenslauf: Warum er heute meist wegbleibt

Der Familienstand war in deutschen Lebensläufen lange üblich. Eine frühere allgemeine gesetzliche Pflicht folgt daraus nicht. Heute kannst du die Angabe weglassen. Die Bundesagentur für Arbeit benennt ausdrücklich, dass "Angaben zur Familie und Staatsangehörigkeit freiwillig" sind.¹

Stand: September 2026

Was das AGG mit dem Familienstand zu tun hat

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt vor Diskriminierung wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter und sexueller Identität (§ 1 AGG). Der Familienstand selbst ist kein direkt genanntes Merkmal im AGG, ist aber mittelbar relevant: Der Familienstand kann mit dem Geschlecht korrelieren, etwa wenn "verheiratet, 2 Kinder" bei einer jungen Frau als Indiz für eine potenzielle Schwangerschaft gelesen wird. Fragen nach Familienplanung im Vorstellungsgespräch gelten als unzulässig.²

Wichtig: Das AGG verbietet nicht, den Familienstand anzugeben. Aus dem AGG allein folgt auch keine Garantie, dass eine private Angabe oder ihr Weglassen in jeder Auswahlentscheidung folgenlos bleibt. Overclaim wäre zu sagen, das AGG "verbiete" die Angabe oder zwinge Arbeitgeber, sie zu ignorieren.

Der historische Wandel: vor und nach 2006

Vor 2006 war der Familienstand in deutschen Lebensläufen üblich. Er stand neben Name, Adresse und Geburtsdatum als fester Bestandteil der persönlichen Daten. Nach der AGG-Einführung setzte eine klare Entwicklung hin zur Nichtangabe ein.

Karriereportale wie Karrierebibel und Stepstone empfehlen, den Familienstand als private, freiwillige Angabe zu behandeln.³ ⁴ Daraus folgt keine frühere gesetzliche Pflicht: Das AGG ist keine Vorschrift zum Aufbau des Lebenslaufs. Eine Nachfrage in einer Stellenanzeige macht private Angaben nicht automatisch erforderlich.

Quantitative Studien zum Anteil von Lebensläufen mit oder ohne Familienstand liegen nicht vor. Der Wandel ist durch übereinstimmende Karrieremedien belegt, nicht durch Primärforschung.

Wann du den Familienstand trotzdem angeben kannst

Es gibt Situationen, in denen die Angabe vertretbar oder sogar sinnvoll ist:

In allen anderen Fällen gilt: weglassen. Ein Weglassen ist kein formaler Mangel des gewöhnlichen Lebenslaufs. Es gibt aber Diskriminierungsrisiken, ihn anzugeben. Die Entscheidung liegt bei dir.

Was stattdessen in die persönlichen Daten gehört

Die persönlichen Daten im modernen deutschen Lebenslauf umfassen: vollständiger Name, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und optional das Geburtsdatum. Das reicht für die Kontaktaufnahme und ist die tatsächlich relevante Information.

Mit dem LebenslaufHeld-Editor kannst du die persönlichen Daten individuell anpassen und entscheiden, welche Angaben du einbindest. Das fertige PDF kostet ab 2,99 Euro ohne Wasserzeichen. Mehr dazu im Demo-Editor.

Interne Verlinkung: Verwandte Themen

Mehr zu persönlichen Angaben findest du unter /themen/geburtsdatum (Geburtsdatum im Lebenslauf) und /themen/bewerbungsfoto (Foto und AGG-Rechtslage). Zum Gesamtaufbau des Lebenslaufs: /themen/tabellarischer-lebenslauf.

Quellen

Häufige Fragen

Muss ich den Familienstand im Lebenslauf angeben?

Nein. Der Familienstand ist in einem gewöhnlichen Bewerbungslebenslauf freiwillig. Die Bundesagentur für Arbeit bestätigt: Angaben zur Familie sind freiwillig. Der moderne Standard lautet weglassen.

Kann es Nachteile haben, den Familienstand wegzulassen?

Das Weglassen ist üblich und kein formaler Mangel. Wie einzelne Arbeitgeber reagieren, lässt sich nicht garantieren. Unzulässige Benachteiligung kann je nach Fall rechtliche Ansprüche auslösen.

Was schreibe ich, wenn ich geschieden bin?

Wenn du den Familienstand aus irgendeinem Grund angibst, dann präzise: "geschieden". Aber in den meisten Fällen ist weglassen die bessere Wahl.

Gehören Kinder in den Lebenslauf?

Nein. Anzahl, Alter oder Namen der Kinder sind Privatsache und gehören nicht in den Lebenslauf. Auch Fragen dazu im Vorstellungsgespräch sind nach AGG unzulässig.

Was ist mit "ledig, keine Kinder" als Signal für Flexibilität?

Das ist eine weitverbreitete Fehlannahme. Es ist weder nötig noch empfehlenswert, auf Flexibilität über den Familienstand hinzuweisen. Im Gespräch kannst du Verfügbarkeit direkt ansprechen.

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